Partizipation

Die Kinder sind Teil einer demokratischen Gesellschaft und können demokratisches Handeln bereits in Kindertagesstätten einüben. Partizipation ist somit ein wichtiges Bildungsthema für die Gesellschaft, Politik und Pädagogik. Es leitet sich vom lateinischen Wort „particeps“ ab und steht für Teilhabe sowie Mitbestimmung.

Bei kleineren Kindern liegt der Fokus auf dem aufmerksamen Wahrnehmen ihrer Bedürfnisse und Interessen. Diese sollten dann im pädagogischen Alltag sowie bei Angeboten Berücksichtigung finden.
Des Weiteren gehören zu den Grundlagen der Austausch des Erziehers mit den Kindern und das ernst nehmen von kindlichen Weltansichten. Freiwilligkeit, Transparenz sowie Regelmäßigkeit zeichnen partizipative Prozesse ebenso aus.
Partizipation ist von Offenheit gegenüber dem letztendlichen Ergebnis geprägt, wobei das Wohl seiner selbst und der anderen stets miteinkalkuliert werden muss. Manchmal müssen die Partizipationsrechte der Kinder deshalb eingeschränkt werden.
Hinzu kommen Themen, die von den Erwachsenen als Überforderung für die Kinder eingestuft werden. Grenzziehungen muss man den Kindern gegenüber konkret und nachvollziehbar begründen. Man sollte nicht auf Allgemeinsätze wie „Das macht man einfach nicht.“ zurückgreifen, da es den Kindern vermittelt, dass sie die Entscheidung nicht in Frage stellen dürfen. Bei der Partizipation dürfen Kinder aber zweifeln und auf Augenhöhe mit den Erwachsenen reden.
Eine letztendliche Entscheidung sollte zum Zeitpunkt des Beschlusses machbar sein und auch zeitnah für die Kinder umgesetzt werden. Kann die Entscheidung nicht realisiert werden, muss dies wiederum transparent erklärt werden.

Kinder lernen Selbstständigkeit, indem sie eigene Interessen vertreten. Ihnen wird vermittelt, dass ihre Meinung gehört wird und sie Einfluss auf das Gemeinschaftsleben ausüben können. Es stärkt ihren Wunsch nach mehr Beteiligung und Verantwortungsübernahme. Weiterhin lernen sie zuzuhören, andere Meinungen zu akzeptieren, wie man Kooperationen eingehen kann sowie den Frust aus zu halten, wenn der Wunsch nicht erfüllt wird.

In unserer Krippe haben wir zahlreiche Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Kinder. Beim Anbieten solcher Gelegenheiten achten wir stets auf das Kindeswohl sowie eine kindgerechte Rahmengestaltung.
Wir als Erzieher begegnen den Kindern mit einer dialogischen und kindzentrierten Haltung. Wir lassen uns auf die subjektive Wahrnehmung der Kinder ein, tauschen uns neugierig und eher fragend als wissend mit den Kindern aus. Wir fragen nicht nur nach Problemen, sondern auch nach ihren Ideen für Lösungen.
Wir moderieren, begleiten die Kinder und ermöglichen durch Informationen sowie dem Erleben von Alternativen wirkliche Entscheidungsprozesse, die wir nicht beeinflussen, um unsere Wünsche zu erreichen. Jedes Kind wird als ein kompetenter Experte seiner Bedürfnisse anerkannt.

Seitens der Minikratzbürsten stehen den Kindern bereits morgens viele Optionen zur Mitbestimmung offen. Sie dürfen gerne Spielzeug mitbringen und sich jeden Tag verkleiden, wenn sie es möchten. Außerdem können sie sich dank der Fußbodenheizung aussuchen, ob sie Hausschuhe anziehen wollen, Stoppersocken tragen oder doch barfuß unterwegs sein möchten. Unsere ersten Einschränkungen beziehen sich auf Spielzeuge bei denen Verschluckungsgefahr besteht sowie normale Socken bei den Sonnenblumen und Gänseblümchen, da die Ausrutschgefahr zu groß ist. Bei den Pusteblumen ist es erlaubt, da wir uns an den Entwicklungsstand der Kinder orientieren. In dem Alter kann man es ihnen bereits zutrauen, dass das Ausrutschen vorrauschauend und schnell genug beachtet wird.
Im Morgenkreis sind das Begrüßungslied („Halli Hallo“) und das Endlied („Häschen in der Grube“) ein fester Bestandteil des Rituals, jedoch ist die offene Liedergestaltung ebenso ein Ritual. Die Kinderwünsche werden auf unterschiedliche Weisen eingebaut. Manchmal werden einzelne Kinder gefragt, ob sie bestimmte Liederwünsche haben, manchmal kommen die Wünsche auch schon vorher. Wir modifizieren einige Lieder damit die Kinder beispielsweise verschiedene Tiere nennen können. Dann singen wir nicht nur über gewöhnliche Tiere wie Haustiere, sondern auch über Einhörner oder Drachen. Das ermöglicht einen weiteren Zugang zu der Interessenswelt der Kinder. Ebenso ist es den Kindern gestattet uns zu sagen, wenn sie mal überhaupt keine Lust auf ein Lied haben oder sich mehrheitlich eine Verkürzung des Morgenkreises wünschen, da sie mehr Spielzeit wollen. Die Äußerung eines Liedwunsches oder Mittanzen zu einem Tanzlied ist für jedes Kind freiwillig.
Nach dem Morgenkreis finden Angebote statt. Die Kinder dürfen die Einladungen ablehnen. Wenn sie bei einer Aktivität teilnehmen möchten, wird überprüft, ob es an dem Tag machbar ist. Die Gründe für die jeweilige Entscheidung werden begründet und erklärt.
Wenn ein Spielplatzausflug ansteht, begrenzen wir die Wahl auf zwei Spielplätze, damit die Kinder bei der Auswahl nicht überfordert werden. Als pädagogische Fachkräfte achten wir hierbei auf verschiedene Kriterien. Die verfügbare Zeit für das Hingehen und die übrige Spielzeit werden beachtet. Außerdem ist das Alter der mitkommenden Kinder ebenso wichtig, da einige Spielplätze eher für Jüngere gedacht sind und andere sich eher an den Bedürfnissen der Älteren orientieren.
Als Team haben wir uns vorgenommen die Ausflugswahl noch einen weiteren Schritt kindgerechter zu gestalten, indem wir Fotos von den jeweiligen Spielplätzen machen werden. Die Visualisierung ermöglicht leichteres Erinnern sowie Mitbestimmung durch das Draufzeigen.
Das tägliche Mittagessen wird den Kindern als Trennkost angereicht, damit die Kinder bei allen Beilagen wählen können. Zum Beispiel wird den Kindern ein Teller mit Kartoffeln gebracht und sie können danach entscheiden ob sie dazu noch Soße, Salat, Fischstäbchen und/oder Sojastreifen möchten. Außerdem steht es ihnen offen überhaupt zu Probieren und/oder Nachschlag zu nehmen. Bei den Jüngeren achten wir hierbei auf deren Körpersprache und füllen beispielsweise Soßen vorsichtig an den Rand. Die Älteren werden stattdessen dazu motiviert sich sprachlich zu äußern. Ein Nein wird generell akzeptiert und dies gilt auch als Präventionsmaßnahme. Wenn Kinder erfahren, dass ihr Nein akzeptiert wird, trauen sie sich das auch eher in Grenzsituationen anzuwenden.
Diese Prinzipien gelten auch für die Besteckauswahl. Die Kinder dürfen nach dem Erhalten des Essens entscheiden, ob sie als Hilfsmittel lieber eine Gabel oder einen Löffel wünschen. Diese Wahl dürfen sie auch noch ändern, wenn sie beim Essen feststellen, dass sie mit ihrer Wahl nicht zum gewünschten Ergebnis kommen (z.B. wenn sie bei Nudeln einen Löffel wählen, die Nudel aber immer wieder herunter rutscht).
Zudem dürfen die Kinder sich ebenfalls zwischen Annahme und Ablehnung des Nachtisches entscheiden. Wenn es sich wie die Mehrheit der Tage um Obst handelt, gibt es immer eine Auswahl an verschiedenen Früchten aus denen die Kinder auswählen.
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass wir den Jüngeren bei Ablehnung vom Mittagessen Gläschen und den jeweiligen Kindern etwas mehr beim späteren Knabbern anbieten.
Einschränkungen werden nur bei Allergikern durchgeführt und entsprechende Alternativen angeboten wie z.B. vegane Kekse bei Laktose Intoleranz. Dies wird mit den Kindern offen kommuniziert und besprochen.
Nachmittags findet für die Kinder immer das Freispiel statt. Die Kinder entscheiden mit welchen Personen sie spielen, womit sie sich beschäftigen und in welchem Raumabschnitt sie sich aufhalten möchten. Oft gibt es auch die Wahl, ob sie in den Garten gehen möchten oder lieber in den Räumen spielen wollen.
Ein sehr wichtiger Bereich, in dem wir partizipatorisch arbeiten ist der Bereich der Körperpflege. Die Kinder werden gerade zu Beginn ihrer Kita-Zeit stets gefragt, ob sie von ErzieherIn X gewickelt werden möchten und bekommen ansonsten eine Alternative (Person) angeboten. Auf bei Toilettengängen fragen wir, ob wir das Kind begleiten und ggf. unterstützen dürfen und wahren die Intimssphäre des Kindes, indem wir möglichst etwas Abstand halten und nur auf kindlichen Wunsch helfen. Hierbei ist es besonders wichtig, den Kindern die Notwendigkeit von Hygiene zu vermitteln, aber nicht übergriffig mit dem Körper zu agieren. Nein heisst Nein. Das ist uns wichtiger als eine volle Windel, die noch zehn Minuten länger am Po ist, bis man sich mit dem Kind einigen konnte. Nicht zu wickeln ist aber keine Option, eine körperliche Unversehrtheit ist oberste Premisse. Kinder erfahren dadurch jedoch, dass sie über ihren Körper bestimmen und wer sie wo anfassen darf – eine äußerst wichtige Präventionsmaßnahme gegenüber körperlichen Missbrauch.

Vielleicht fragen Sie sich nun als Elternteil wie Sie Ihr Kind zu Hause bezüglich Partizipation unterstützen können. Sie machen es wahrscheinlich schon ohne es zu wissen. Wenn Sie z.B. Ihrem Kind das Bedürfnis nach Schlaf gewähren, frei von Einhaltung Ihrer Wunschzeit, ermöglichen Sie Ihrem Kind bereits die Mitgestaltung des Zusammenlebens.

Wenn Sie als Elternteil die Partizipation bewusster unterstützen möchten, sollten Sie die
vorher beschriebenen Kriterien der Partizipation beherzigen. Zunächst können Sie mit kleinen Schritten anfangen und die drei wichtigsten Kriterien als roten Faden nehmen.
Zu einem der wichtigsten Punkte zählt es, sich bewusst zu machen, dem Kind nur eine Wahl zu lassen, wenn es tatsächlich eine hat. Das Anbieten auf dem Spielplatz spielen zu können, obwohl Sie das im tiefsten Winter eigentlich gar nicht möchten, sollte besser nicht zur Auswahl stehen. Scheinpartizipation macht unzufrieden und wäre nicht förderlich für eine positive Einstellung gegenüber Mitbeteiligung.
Nicht nur Scheinpartizipation macht unzufrieden, sondern auch Überforderung. Mitgestaltung sollte immer kindgerecht gestaltet werden und sich an dem Können sowie Wissen des Kindes orientieren.
Zum Beispiel könnte man es einem Kleinkind offen stellen, ob es alleine raus zum Spielen geht. Das wäre eine Missachtung der elterlichen Aufsichtspflicht, da das Kind sich im Verkehr verletzten könnte, da es die Straßenverkehrsregeln noch nicht ausreichend kennt.
Bei Kindern unter drei Jahren sind zwei Auswahlmöglichkeiten ausreichend (entweder/oder). Das setzt eine vorher gut bedachte Entscheidung Ihrerseits voraus, damit überstürztes Anbieten von weiteren Alternativen nicht passiert. Es ist als Kleinkind sicherlich sehr schwierig, sich zwischen fünf anstatt nur zwei Sachen zu entscheiden. Wenn das Kind älter geworden ist, kann man ihm mehr Entscheidungsmacht und Auswahl zumuten.
Zudem sollte jede Entscheidung kurz und klar begründet werden. Diese Transparenz erleichtert das Akzeptieren vom jeweiligen Beschluss.

Konkrete Umsetzungsmöglichkeiten wären, dem Kind die Auswahl seiner Kleidung und/oder die von verschiedenen Frühstückszutaten zu überlassen. Darüber hinaus können Sie Ihr Kind selbst entscheiden oder mitbestimmen lassen, mit was und mit wem es spielen möchte. Abends kann es sich vielleicht zwischen zwei Büchern zum Vorlesen entscheiden oder entscheiden, mit welchem Elternteil es Zähne putzen möchte.

Letztendlich sind Sie sind der Experte für Ihr Kind und wissen am Besten wann Sie im Familienalltag Macht abgeben können und auf welche Weise Ihr Kind es schaffen kann. Ihnen werden sicherlich noch mehr kreative Ideen einfallen. Dabei ist es überhaupt nicht Sinn und Zweck, dass Ihr Kind bei allem mitbestimmen und eine Auswahlmöglichkeit bekommt. Kindern tut es z.B. gerade nach einem langen Kita-Tag auch oft gut, nicht entscheiden zu müssen, was am Nachmittag passiert, sondern sich einfach dem Anzupassen, was Sie als sinnvoll erachten. Sonst kann wie bereits oben erwähnt auch schnell eine Überforderung eintreten. Nicht selten fangen Kinder dann an zu weinen, sich auf den Boden zu werfen oder zu schreien, weil sie einfach von der Auswahl oder der Entscheidung an sich überfordert sind. Hier hilft es, genau hinzusehen und zu hören, das Kind zu beruhigen und danach auch klar zu kommunizieren: „Ich sehe, dass es dir mit der Entscheidung nicht gut geht. Ich helfe dir. Wir machen es jetzt so…“

Kontakt Kindergarten

Kindergarten Kratzbürsten e.V
Susanne Toelcke & Sybille Mittag
Alte Königstraße 15
22767 Hamburg

Tel. Elementar: 040 389 24 04
Email: webkontakt_at_kita-kratzbuersten.de

Öffnungszeiten

Das Elementarhaus Alte Königstraße öffnet täglich:
von 7 – 17 Uhr, freitags bis 16 Uhr.

Kontakt Krippe

Kinderkrippe Minikratzbürsten e.V
Anna-Lena Hartmann & Sabrina Dittmer
Schillerstrasse 11
22767 Hamburg

Tel. Krippe: 040 309 94 981
Email: minikratzbuerste_at_gmail.com

Öffnungszeiten

Die Krippe Schillerstraße öffnet täglich:
von 8 – 16 Uhr.

Früh-und Spätdienst

Werden im Elementarhaus über die Straße angeboten.

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